Michelins neue Trauben-Wertung
Es gibt Neuigkeiten aus der Welt der Weinbewertung, und sie kommen von einer überraschenden Adresse: von Michelin, dem Namen hinter den berühmten Restaurantsternen. Der Guide, der seit 1926 Küchen mit einem, zwei oder drei Sternen adelt, bewertet jetzt auch Weingüter. Das könnte die Art, wie wir über Wein sprechen, spürbar verändern.
Wichtig zuerst, weil es oft verwechselt wird: Es sind keine Sterne. Michelin vergibt an Weingüter eine, zwei oder drei Trauben, offiziell MICHELIN Grapes genannt. Das System ist bewusst an die Sterne angelehnt, aber eigenständig benannt. Drei Trauben stehen für außergewöhnliche, zwei für exzellente, eine für sehr gute Erzeuger. Dazu kommt eine Kategorie Selected für Güter, die regelmäßig geprüft und für verlässlich befunden werden. Bewertet wird nach fünf Kriterien: der Qualität der Arbeit im Weinberg, der handwerklichen Meisterschaft im Keller, der Identität eines Weinguts, der Balance seiner Weine und der Konstanz über die Jahrgänge hinweg.
Angekündigt hat Michelin das Ganze im Dezember 2025. Die erste Auswahl folgte im Juli 2026 im Burgund, verkündet im Herzogspalast von Dijon: 94 Weingüter, davon neun mit der Höchstwertung. Anfang September 2026 kam Bordeaux dazu, vorgestellt in der Cité du Vin: 83 Güter, davon ebenfalls neun mit drei Trauben. Weitere Regionen in Frankreich und weltweit sollen folgen.
Drei Trauben, die höchste Stufe, gingen im Burgund an neun Domänen: Domaine de la Romanée-Conti, Domaine Leroy, Domaine d’Auvenay, Domaine Dugat-Py, Domaine Cécile Tremblay, Domaine Georges Roumier, Domaine Coche-Dury, Domaine Jean-Marc & Thomas Bouley und Domaine Hubert Lamy. Zwei Trauben erhielten zwanzig Güter, darunter Dujac, Denis Mortet, Jacques-Frédéric Mugnier und Georges Mugneret-Gibourg an der Côte de Nuits sowie Domaine Leflaive, Comtes Lafon, Arnaud Ente, Paul Pillot, Etienne Sauzet und Bonneau du Martray an der Côte de Beaune. Dazu kommen 33 Güter mit einer Traube, unter ihnen klingende Namen wie Armand Rousseau, Méo-Camuzet, Comte Georges de Vogüé, Clos de Tart, Joseph Drouhin und Louis Jadot.
In Bordeaux teilten sich die drei Trauben neun Châteaux, quer über die großen Appellationen: Château Lafite Rothschild in Pauillac, Château Léoville Las Cases in Saint-Julien, Château Montrose in Saint-Estèphe, Petrus, Château La Conseillante und Château Lafleur in Pomerol, Château Cheval Blanc und Château Figeac in Saint-Émilion sowie Château d’Yquem in Sauternes. Zwei Trauben gingen an sechzehn Güter, darunter Mouton Rothschild, die beiden Pichon und Pontet-Canet in Pauillac, Château Margaux und Palmer in Margaux, Ausone und Angélus in Saint-Émilion, Vieux Château Certan in Pomerol sowie Haut-Brion und La Mission Haut-Brion in Pessac-Léognan. Weitere 37 Châteaux erhielten eine Traube, unter ihnen Klassiker wie Lynch-Bages, Cos d’Estournel, Trotanoy, Le Pin und Smith Haut Lafitte.
Der Schritt kommt nicht aus dem Nichts. Michelin gehört bereits seit 2017 Robert Parkers Wine Advocate, eine der einflussreichsten Weinpublikationen überhaupt. Mit ihr kamen jahrzehntelange Verkostungskompetenz und ein globales Netzwerk ins Haus. Michelin hat also nicht nur einen bekannten Namen, sondern auch das Fachwissen, um im Wein ernst genommen zu werden.
Der spannendste Punkt betrifft dich als Weintrinker direkt. Klassische Weinbewertungen, auch die in dieser App, drehen sich um einen bestimmten Jahrgang: War 2016 in Bordeaux ein großes Jahr, wie reift ein 2011er Rioja? Michelin bewertet dagegen das Weingut als Ganzes, über die Jahrgänge hinweg. Konstanz ist sogar ein eigenes Kriterium. Das sind zwei verschiedene Brillen, und sie ergänzen sich. Die eine sagt dir, ob ein bestimmter Wein aus einem bestimmten Jahr etwas taugt und wann du ihn trinken solltest. Die andere sagt dir, ob hinter dem Etikett ein Erzeuger steht, der Jahr für Jahr liefert. Für eine kluge Kaufentscheidung willst du eigentlich beides: das gute Gut und den guten Jahrgang.
So viel Aufmerksamkeit weckt auch Widerspruch. In der Fachwelt fielen die Reaktionen gemischt aus. Kritisiert wird vor allem die Transparenz. Michelin hat die Namen der Prüfer nicht offengelegt, nur verraten, dass es sich um Sommeliers, Kritiker und ehemalige Winzer handelt. Auch die Frage, ob blind verkostet wurde, blieb offen. Manche sehen darin eine Marketing-Erweiterung, andere eine ernstzunehmende neue Instanz. Klar ist nur: Michelin hat genug Gewicht, um gehört zu werden.
Für den Moment ändert sich wenig, außer dass du eine Orientierung mehr hast. Begegnet dir ein Wein von einem der ausgezeichneten Güter, weißt du: Hier hat jemand mit Anspruch gearbeitet. Und wenn du wissen willst, ob genau dein Jahrgang im richtigen Fenster liegt, bist du hier bei Bits & Bottle weiter richtig. Das gute Gut findest du künftig bei Michelin, den richtigen Trinkzeitpunkt bei uns.
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