Brettanomyces: der umstrittene Makel

Brettanomyces: der umstrittene Makel

Kaum ein Thema wird unter Weinliebhabern so leidenschaftlich diskutiert wie Brettanomyces, kurz Brett genannt. Dahinter verbirgt sich eine Hefe, die einem Wein sehr charakteristische Aromen verleiht und die Geister scheidet, denn was die einen als Fehler ablehnen, schätzen die anderen als Ausdruck von Komplexität.

Brettanomyces erzeugt Gerüche, die oft als tierisch beschrieben werden, etwa nach Stall, Leder, feuchtem Tier oder auch nach Pflaster und Gewürznelke. In stärkerer Ausprägung überdeckt Brett die Frucht des Weins und gilt eindeutig als Fehler, der auf mangelnde Hygiene im Keller zurückgeht. In sehr geringer Dosis jedoch kann eine feine Brett-Note einem Wein zusätzliche Tiefe und Würze verleihen. Gerade bei manchen klassischen Rotweinen aus dem Bordeaux oder der Rhône sowie bei naturnah erzeugten Weinen begegnet man dieser Note, und ein Teil der Liebhaber schätzt sie ausdrücklich als Teil des Charakters.

Ob Brett als Makel oder als Bereicherung gilt, ist damit auch eine Frage des persönlichen Geschmacks und der Menge. Die moderne Kellertechnik erlaubt es, Brettanomyces weitgehend zu vermeiden, weshalb ausgeprägte Brett-Töne seltener geworden sind. Für den Verkoster ist Brett vor allem eine wertvolle Schule der Wahrnehmung, denn wer diese Note einmal bewusst erkannt hat, schärft sein Gespür für die feinen Grenzen zwischen Fehler und Komplexität.

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