Warum schmeckt derselbe Wein unterschiedlich?
Es ist eine häufige Erfahrung, dass ein und derselbe Wein an verschiedenen Tagen oder in verschiedenen Situationen ganz unterschiedlich schmeckt. Das liegt selten am Wein allein, sondern an einer Reihe von Einflüssen, die unsere Wahrnehmung und den Wein selbst verändern. Wer sie kennt, wundert sich weniger über solche Unterschiede.
Ein wichtiger Faktor ist die Temperatur, denn ein zu warm oder zu kalt servierter Wein zeigt seine Aromen ganz anders als bei idealer Trinktemperatur. Auch das Glas spielt eine Rolle, weil seine Form bestimmt, wie sich die Aromen sammeln. Der Wein selbst verändert sich zudem im Glas, da er mit der Zeit Luft aufnimmt und sich öffnet. Ein Wein, der beim ersten Schluck verschlossen wirkt, kann nach einer halben Stunde ganz anders und oft besser schmecken. Ebenso beeinflusst das Essen die Wahrnehmung, denn dieselbe Flasche wirkt zu einer kräftigen Speise anders als für sich allein.
Nicht zuletzt spielt die eigene Verfassung eine große Rolle. Tagesform, Stimmung, vorher Gegessenes und sogar die Umgebung beeinflussen, wie wir einen Wein empfinden. Geschmack ist damit nie ein absoluter Wert, sondern immer das Ergebnis aus Wein, Umständen und Verkoster. Diese Einsicht nimmt den Druck, einen Wein immer gleich beurteilen zu müssen, und macht deutlich, warum das Verkosten eine so persönliche Angelegenheit ist.
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