Die Lese: Handarbeit oder Vollernter?
Die Weinlese kann auf zwei sehr unterschiedliche Arten erfolgen, von Hand oder mit der Maschine. Welche Methode ein Winzer wählt, hat spürbaren Einfluss auf die Qualität des Traubenguts und hängt von der Lage, dem Weinstil und dem Anspruch des Erzeugers ab.
Die Handlese ist die aufwendigere und teurere Methode, bietet aber entscheidende Vorteile. Erfahrene Leser können bereits im Weinberg gesunde von faulen oder unreifen Trauben trennen und nur einwandfreies Lesegut in die Bütte legen. Diese Selektion ist die Grundlage großer Weine. Zudem ist die Handlese in extrem steilen Lagen, etwa an der Mosel oder im Douro, oft die einzige Möglichkeit, da keine Maschine an den Hängen arbeiten kann. Auch für Trauben, die ganz und unbeschädigt in den Keller gelangen sollen, wie bei der Champagnerherstellung, ist Handarbeit unverzichtbar. Der Vollernter dagegen fährt durch die Rebzeilen und schüttelt die Beeren von den Stöcken. Er ist schnell, kostengünstig und kann große Flächen in kurzer Zeit ernten, teils sogar nachts, wenn die Trauben kühl sind.
Der Vollernter hat seine Berechtigung vor allem bei großen, flachen Anlagen und bei Weinen für den unkomplizierten Genuss. Für Spitzenweine, für Steillagen und überall dort, wo eine sorgfältige Auslese entscheidend ist, bleibt die Handlese jedoch das Mittel der Wahl. Die Art der Lese ist damit ein wichtiger, oft unterschätzter Faktor für die Qualität eines Weins.
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